Meine Diplomausstellung „weil ich will und weil ich kann“ war im Juni 2019 im Gastatelier LABOR der Opelvillen Rüsselsheim zu sehen.

„„Weil ich will und weil ich kann“ ist die ultimative Antwort auf alle (mehr oder weniger) blöden Fragen, die mir regelmäßig gestellt werden. Es ist eigentlich DIE perfekte Antwort auf jegliche Frage nach dem „Warum“.
Seit ich angefangen habe, Kunst zu studieren, kommt diese Frage nämlich regelmäßig. „Warum studierst du Kunst?“ „Warum investierst du regelmäßig so viel Geld, Zeit, Mühe und Nerven in Projekte, die (relativ) niemand sehen wird und die nach Laufzeitende in den Müll wandern?“ „Warum gehst du sehenden Auges einen Weg, an dessen Ende dich nur eine große Ungewissheit erwartet?“ und so weiter. Ja, gute Frage. Weil ich will und weil ich kann. Weil es schon irgendwie alles Sinn ergeben wird.

(…)

Ich habe ja schon dargelegt, dass der Prozess des Tätowierens für mich immer ein Austausch mit einer anderen Person ist. Mein Gehirn bekommt neue Eindrücke durch das Zusammenspiel mit einem anderen Gehirn und fängt dadurch an, neue Inhalte zu produzieren, neue Verknüpfungen zu sehen und Gedanken zu denken, die vorher noch nicht in dieser Form da waren.
Genau das gleiche funktioniert aber auch, wenn keine andere Person zugegen ist.
An einem Ort zu arbeiten bedeutet ja auch immer, MIT einem Ort zu arbeiten. Meine Diplomausstellung findet im Labor der Opelvillen Rüsselsheim statt. Dieser Raum ist so voll mit Informationen und Spuren, dass ich die sowieso nicht ignorieren könnte, selbst, wenn ich wollte. Es ist also jetzt nur ganz logisch, mit all diesen Spuren zu arbeiten und den Raum so zu behandeln, wie ich eine Person behandeln würde.
Das Labor wird also nicht zu einem Ausstellungsraum, in dem fertige Arbeiten präsentiert werden, sondern der Raum selbst wird die Arbeit.
Ich möchte mit dem Raum so frei arbeiten, wie ich mir das selbst erlaube. Das ist die Kunst. Mir selbst Freiheit zu erlauben, zu sehen, was funktioniert und was nicht, das alles abzuwägen, zueinander in Beziehung zu setzen, zu bemerken, wann etwas zu viel ist und wann zu wenig – ich mag das. Und ich muss das üben.“

Auszüge aus meinem Essay „Gedanken zu meiner künstlerischen Praxis, meiner Diplomausstellung und ein paar generelle Bemerkungen“, 2019